Zentrum für Menschen mit geistiger Behinderung

Lichtblicke und neue Erfahrungen in Zeiten von Corona – Wenn alles anders ist

Niederfell. Jeden Tag sind für einige Stunden die Rollen in der Gruppe Domhof getauscht. Maria Sponticcia wird zur Strick-Lehrerin, und die Lehrkraft zur Schülerin. Mit viel Geduld und Geschick ist es ihr auch schon gelungen, die ersten Lernerfolge zu vermelden. „Schon scheiße der Virus! Aber wenn der nicht wäre, würdest du jetzt nicht jeden Tag bei mir sitzen.“ So fasst Maria Sponticcia (71) die aktuelle Situation im Herz-Jesu-Haus Kühr in Niederfell sehr treffend zusammen.

Und Recht hat sie. Seitdem die Schule geschlossen wurde, arbeiten alle Lehrkräfte der Förderschule an der Untermosel in den Wohnbereichen des Herz-Jesu-Hauses, was nicht selbstverständlich ist. Für alle sind es vielfältige und neue Eindrücke und auch die ein oder andere Herausforderung kommt auf.
Genau dadurch entsteht aber auch ein neues Gefühl der Zusammengehörigkeit. Die Mitarbeiter der Einrichtung rücken sichtlich näher zusammen.
Vielen Bewohnern fällt es schwer, nicht zur Arbeit fahren zu können oder anderen regelmäßigen Aktivitäten nachzugehen. Daher gehören die Unterstützung in der neuen Tagesstrukturierung, das Angebot alternativer Beschäftigungsmöglichkeiten und ebenso die Unterstützung in der Pflege zu den Hauptaufgaben der Lehrkräfte.

Aber auch in den anderen Wohngemeinschaften freuen sich Bewohnerinnen und Bewohner über den außergewöhnlichen Besuch aus der Schule. Eine Gruppe näht zum Beispiel gerade begeistert unter Anleitung kleine „Mutmonsterchen“ für die gesamte Einrichtung. Diese zaubern den Beschenkten dank ihrer lustigen Gestaltung direkt ein Lächeln aufs Gesicht.

In einer weiteren Wohngruppe wird seit Wochen beispielsweise fleißig gehäkelt. Die Menschen, die dort leben, vermissen zwar ihre Arbeit in den Werkstätten, genießen es aber, bei dem schönen Wetter in der Sonne zu sitzen und Topflappen als Ostergeschenke für Freunde und Verwandte zu häkeln.

Besonders wichtig ist es jedoch, in dieser ungewohnten Situation Jemanden zum Reden zu haben, oder eine Begleitung für einen Spaziergang.

„Der ein oder andere wird bestimmt auch ein weinendes Auge haben, wenn wir die Wohngruppen und vor allem neu gewonnene Freunde verlassen!“ so Anna Moos, Schulleiterin an der Förderschule an der Untermosel. Sie ist überzeugt: „Was nachhaltig bleiben wird, ist der Sinn der Gemeinschaft und der „Kührer Geist“, der in diesen Zeiten überall zu spüren ist und ein Gefühl des Zusammenhalts vermittelt.