Zentrum für Menschen mit geistiger Behinderung

Matthias Rösch, Landesbeauftragter für die Belange behinderter Menschen, besucht das Herz-Jesu-Haus Kühr

Im Besprechungsraum des Herz-Jesu-Hauses haben sich Bewohnerinnen und Bewohner versammelt. Insgesamt fünf Menschen mit geistiger Behinderung, die im Herz-Jesu-Haus leben oder von dort aus ambulant betreut werden, warten gespannt auf den Besuch von Matthias Rösch, der anlässlich seiner Sommertour das Herz-Jesu-Haus besucht.

Rösch, der das Zentrum für Menschen mit geistiger Behinderung gut kennt, hatte sich im April an der Mutmacher-Aktion des Hauses beteiligt, die im Rahmen der Corona-Pandemie stattfand und so seine Solidarität mit den Menschen dort zum Ausdruck gebracht. Nun möchte er wissen, wie es aktuell mit den Auswirkungen der Pandemie geht. Besonders in den ersten Wochen gab es zahlreiche Einschränkungen in den Wohnheimen wie Ausgangs- und Besuchsverbote.

Gemeinsam mit ihrer Assistentin Monika Michel hatte Renate Büttner Interviews mit Bewohnerinnen und Bewohnern aufgezeichnet, die verdeutlichten, wie groß die Einschränkungen für die Menschen in Wohnheimen im April und Mai waren und auch heute noch sind. Büttner, die auch Vorsitzende des Bewohnerbeirates ist, hatte zudem mit ihrem Mitbewohner Andreas Harnisch eine Collage vorbereitet: „Wir wollen zeigen, dass das Leben trotz Corona weiter geht! Wir müssen uns und die anderen schützen. Deswegen tragen wir Masken. Aber wir machen auch in Zeiten von Corona schöne Dinge und feiern gern!“ Eindrucksvoll erklärten die Beiden, dass beispielsweise das ausgefallene Sommerfest in kleinem Rahmen innerhalb der Wohngemeinschaft nachgeholt wurde -mit Sekt und der Sonderausgabe des „Kührer Echos“, einer Hauszeitung, die einmal im Jahr erscheint. Auch einige Fensterkonzerte oder der Auftritt der Klinikclowns im großen Hof des Hauses waren willkommene Abwechslung. Ein kurzfristig aufgestelltes Fernsehprogramm „Kühr TV“ bot Abwechslung mit Zumba, Gebärdenliedern oder Videos.

Daniel van Kempen wohnt in Brodenbach und arbeitet in den Mosellandwerkstätten in Treis-Karden. Sein Arbeitsplatz ist die Wäscherei und er schildert, wie belastend die Wochen und Monate waren, in denen die Werkstatt geschlossen war. „Das ist mir schon schwer gefallen. Ich bin wandern gegangen oder Fahrrad gefahren, aber oft ist mir die Decke auf den Kopf gefallen.“ Unterstützung fand er in regelmäßigen Telefonaten mit seinem Betreuer von den Ambulanten Diensten. „Der hat mir Tipps gegeben und mich aufgemuntert.“ Ein Thema für alle ist die Sorge um den Arbeitsplatz und die Erleichterung, wieder arbeiten zu können.

Einen kritischen Blick wirft Petra Marx auf den Umgang mit Testungen. Sie fragt: „Warum werden Urlauber kostenlos getestet, aber unsere Mitarbeiter nicht?“. Die Pädagogische Leiterin Claudia Schönershoven pflichtet ihr bei: „Das ist ein wichtiges Thema für uns. Um Infektionsketten zu unterbinden, brauchen wir anlassbezogene Testungen- auch wenn keine Symptome vorliegen. Hier besteht dringend Verbesserungsbedarf! Schließlich sind viele der Menschen, die wir begleiten, Risikopatienten.“

Katharina Schlötter ist Vorsitzende des Eltern- und Betreuerbeirates und kennt die Sorgen der Angehörigen. „Einige Eltern haben ihre Kinder zu Beginn der Pandemie nachhause geholt. Das war aber für Viele nicht möglich. Die Wochen, in denen Besuche nicht möglich waren, waren für beide Seiten hart. Und auch heute noch gibt es Auflagen. Darüber sind wir auf der einen Seite froh, weil sie unsere Angehörigen schützen. Auf der anderen Seite fallen die Einschränkungen vielen Menschen mit Behinderung schwer.“

Für alle Anliegen hat Rösch ein offenes Ohr und fragt interessiert nach. Berührend ist auch für ihn die Aussage der 25jährigen Annika Gilles: „Ohne die Unterstützung meiner Eltern hätte ich die schwierige Zeit nicht überstanden. Wir haben jeden Tag telefoniert.“ Zum Abschied überreichten die Bewohner Rösch zwei selbstgenähte Masken, die er sofort für das abschließende Gemeinschaftsfoto anzog.

„Wir sind froh, dass Herr Rösch sich heute so viel Zeit genommen hat.“ resümiert Schönershoven. „Die Corona-Pandemie stellt uns Alle vor Herausforderungen. Ich finde es beeindruckend, wie verantwortungsvoll sich viele Menschen, die wir begleiten, an die Hygieneregeln halten. Wenn dies alle tun würden, bräuchten wir uns vor einer zweiten Welle nicht zu fürchten!“